Tipps für ein gesundes und erfülltes Hundeleben
Artgerechte Ernährung des Hundes:
- Hunde haben sich im Laufe ihrer Domestikation immer mehr an den Menschen und dessen Nahrungsgewohnheiten angepasst > Wegentwicklung vom reinen Fleischfresser
- Hunde sind in der Lage Kohlenhydrate (bspw. Getreide, Buchweizen, Amaranth, Reis, Kartoffeln, usw.) zu verdauen, wenn sie in aufgeschlossener (gekochter) Form gegeben werden
- Da Wölfe über den Verdauungstrakt ihrer Beute immer auch pflanzliche Inhalte mitfraßen, stellt ein kleiner Anteil gekochtes Gemüse einen wichtigen Lieferant für Ballaststoffe und Antioxidantien in der Hundeernährung dar.
- Rationsgestaltung:
- 50%-60% Fleisch
- 15%-25% gekochte Kohlenhydrate
- 25% (gekochtes) Gemüse (roh verfüttert werden kann: Kopfsalat, Spinat, Gurke, Karotte, Sellerie, Fenchel, Zucchini, reife Tomate, reife Paprika)
- Ein gutes Dosenfutter enthält mindestens 60% Fleischanteil (Fleisch + Brühe/Kochsud)
- Ausführlicher Artikel zum Thema Trockenfutter und warum es für Hunde schädlich ist: https://www.hundefutter-tests.net/trockenfutter-ist-schaedlich/
Hundegesundheit
- Die standardmäßig empfohlenen Parasitenmittel (Entwurmung & Floh-Zeckenschutz) sind in den meisten Fällen unnötig und können vermieden werden:
- Wurmbefall kann über den Kot von Tierarzt oder Labor nachgewiesen werden > nur bei einem tatsächlichen Befall macht eine Entwurmung Sinn, da diese nicht prophylaktisch wirkt. D.h. dass sich der Hund theoretisch schon 24 Std. nach der Entwurmung erneut mit Würmern anstecken kann.
- Floh- und Zeckenmittel sind für den Hundekörper sehr belastend, da sie in den meisten Fällen über Wochen oder sogar Monate im Körper aktiv bleiben. V.a. im Hinblick auf Zeckenschutz sind sie unnötig, wenn man den Hund nach jedem Spaziergang oder Aufenthalt draußen sofort auf Zecken absucht und diese ggf. entfernt, da die von Zecken übertragenen Krankheiten erst nach 12-24 Std. Anheftungsdauer übertragen werden:

- Hunde hören 4-6 mal besser als Menschen > nie lauter Musik aussetzen, nicht anschreien!
- Häufiges Problem Übergewicht:
- Dosierungsangaben auf Fertigfutter können nie als allgemeingültig erachtet werden, sondern müssen an den individuellen Bedarf des Hundes angepasst werden
- Gewichtsübersicht:

- Abnehmstrategie:
- Realistisches Zielgewicht und tägliche Fütterungsmenge bestimmen lassen
- Futter mit wenig Fett und Kalorien verwenden (bspw. Nassfutter anstatt Trockenfutter)
- Futtermenge jeden Tag genau abwiegen > Teil davon als Leckerlies verwenden
- Bewegung erhöhen (bspw. durch schrittweise längere Spaziergänge)
- Regelmäßig Gewicht und Erfolg kontrollieren
- Qualzuchten: diese Rassen führen aufgrund ihrer vom Menschen angezüchteten Eigenschaften ein leidvolles Leben und sollten aus Tierschutzgründen keinesfalls angeschafft werden. Ständige Tierarztbesuche sind vorprogrammiert!
- Kurzköpfige Rassen (Brachyzephalie):
- Französische und Englische Bulldogge oder Mops > leidern unter massiven Atemproblemen wegen der zu kurzen bzw. fast nicht vorhandenen Schnauze
- Cavalier King Charles Spaniel> durch den oft zu kleinen Schädel kann das Hinrwasser nicht richtig ablaufen > Ausfallerscheinungen und starke Schmerzen
- Chihuahua > haben häufig offene Schädeldecke > Gehirn nicht ausreichend geschützt; weitere häufige Probleme: Knie, Augen, Zahn, Herzprobleme
- Orthopädische Probleme:
- Dackel: Zwergwuchs durch gestörte Knorpel- und Knochenbildung > oft Bandscheibenvorfälle, Rheuma
- Deutscher Schäferhund: angezüchteter nach hinten abfallender Rücken > Hüftgelenksdysplasie, Arthrose
- Schwanzlosigkeit oder Kurzschwänzigkeit entstehen aus Fehlbildungen der Wirbelsäule> kann zu gestörter Entwicklung des Rückenmarks führen; solchen Hunden fehlt ein wichtiges Kommunikationsmittel mit Artgenossen
- Teacup Rassen (Chihuahua, Zwergpinscher, Yorkshire Terrier, Toy-Pudel): haben oft zu kleinen Kopf für Gehrin oder Wasserkopf
- Rassen mit übermäßigen Hautfalten (Shar-Pei, Basset, Bluthund): neigen zu Hauterkrankungen und -veränderungen
- Kurzköpfige Rassen (Brachyzephalie):
Zusammenleben mit Hunden:
- Alleine bleiben vs. Mitnehmen:
- Wölfe leben in familiären, sozialen Strukturen (Rudel mit Rangordnung) > Hunde sind daher ebenso hochsozial und auf Gemeinschaft angewiesen
- Besonderheit: Hunde haben im Laufe der Domestikation den Menschen als gleichwertigen Sozialpartner anerkannt (Ausnahme, da Sozialverband mit anderer Art)
- > konstante Bezugsperson ist essentiel für Hund, sollte nicht länger als ein paar Stunden tägloch alleine gelassen werden
- Alleine Bleiben muss kleinschrittig trainiert werden
- Bei Rückkehr freundliche, aber keine überschwängliche Begrüßung oder Lob damit Hund lernt, dass Rückkehr der Bezugsperson unspektakulär ist
- Mitnehmen:
- Büro: eigener Rückzugsort mit Decke wichtig; Hund muss akzeptieren können, für diese Zeit nicht im Mittelpunkt zu stehen; Langeweile kann mit kleinen Aufgaben entgegengewirkt werden (kleine Botengänge wie Papiere in Mülleimer schmeißen, Türen öffnen, Lichtschalter betätigen, usw.)
- Restaurant: Vielzahl an intensiven Gerüchen und enge Umgebung mit fremden Leuten kann Hund schnell überfordern > vorher Hund an Decke gewöhnen, auf der er Platz machen muss und dies auch in unruhigen Situationen gut üben
- Supermarkt: nie Hund angeleint draußen warten lassen: Gefahr des Diebstahls und Qual für Hund
- Innenstadt: vermeiden, wenn es nicht anders geht, Hund auf von Straße abgewandter Seite an der Leine führen
- an Autofahren und öffentliche Verkehrsmittel kleinschrittig gewöhnen
- Im Sommer Hund nie über heißen Asphalt laufen lassen > einfacher Temperaturtest mit eigenem Handrücken auf Asphalt, wenn das für den Menschen unangenehm ist, ist es auch zu heiß für Hundepfoten
- Hitzefalle Auto: auch bei milden Temperaturen Hund nie alleine im Auto lassen!

- Hundeleine- und geschirr:
- Leine: sollte stabil, an Größe und Gewicht des Hundes angepasst und mit 2 Haken für Doppelsicherung ausgestattet sein
- Geschirr: muss an die Größe des Hundes angepasst sein, darf bei Bewegung nicht beinträchtigen oder scheuern, wenn zu groß, kann Hund sich herauswinden; Verarbeitung sollte weich, flexibel und robust sein
- Warum Geschirr anstatt Halsband?
- Halsband überträgt die Kraft aus dem Zug an der Leine direkt auf Nacken und Hals > Verletzungsgefahr für dort befindliche Organe (Schilddrüse, Kehlkopf, Luftröhre, Blutgefäße) sowie langfristige Schäden an der Wirbelsäule
- Geschirr verteilt Krafteinwirkung auf Brust und Rücken
- Geistige- und körperliche Beschäftigung:
- Wölfe und Wildhunde bewegen sich unter natürlichen Bedingungen meist im Trab über weite Strecken
- Hunde können bis zu 100.000 mal schwächere Gerüche wahrnehmen als Menschen > Hunde leben in einer Geruchswelt, die uns weitestgehend verborgen bleibt!
- Bei Spaziergängen Hund daher am besten in seinem Tempo laufen und v.a. schnüffeln lassen; Schnüffeln, Markieren und Interaktion mit Artgenossen sollten im Vordergrund stehen
- Tipp regelmäßige Bindungsspaziergänge:
- Mensch-Hund-Gespann zieht zu zweit ohne Ablenkung los und widmet die volle Aufmerksamkeit einander (kein Handy, keine Gassifreunde, etc.)
- Hund bekommt viel Zeit für seine Vorlieben
- Ausprobieren neuer Ideen oder Einbau von kleinen Spielen (Apporiteren, Suchen,…) oder Kuschelpausen
- Ziel ist gemeinsames Treibenlassen und Genießen, ohne große Planung oder Zielsetzungen
- Hunde NIEMALS am Fahrrad laufen lassen:
- Hund wird zu einem hohen Tempo gezwungen, hat keine Wahl auch mal langsamer zu gehen oder eine Pause zu machen > Überanstrengung
- Schnüffeln und artspezifisches Verhalten ausleben wird unmöglich
- Das angeleinte Mitführen eines Hundes am Fahrrad ist in Österreich sogar verboten und es drohen hohe Geldstrafen
- Hundesport:
- muss an Rasse und Entwicklungsstand des Hundes angepasst sein (kein Ausdauersport für Hunde mit angezüchteten Atemproblemen wie Mops; keine Gelenkbelastung für Welpen und heranwachsende Tiere)
- Achtung Überanstrengung: Hunde gehen oft über eigene Belastungsgrenze hinaus um dem „Rudel“ (der Bezugsperson) zu folgen und keine Schwäche zu zeigen > der Hundehalter muss dies rechtzeitig erkennen und stoppen
- Ballwerfen über längeren Zeitraum ungeeignet:
- abruptes Abbremsen stellt hohe Belastung für Gelenke dar
- generiert bei Hunden häufig ungesundes Suchtverhalten
Körpersprache der Hunde:
- Hunde kommunizieren im Gegensatz zum Menschen größtenteils non-verbal, d.h. über Gestik, Mimik, Körperhaltung und Gerüche > alle Elemente müssen im Zusammenspiel interpretiert werden
- Übersicht zur Hundesprache:
- Interpretation Körpersprache: https://www.youtube.com/watch?v=wGt5PfgCSnU
- Lautäußerungen:
- Bellen: kann sowohl Bedürfnismitteilung als auch Spielaufforderung oder Warnung sein > im Kontext interpretieren
- Winseln: Bedürfnismitteilung (bspw. Warten auf langersehnten Spaziergang), Angst oder Frustration
- Knurren: letzte Warnung vor Biss; auf keinen Fall abgewöhnen oder Hund dafür bestrafen > Gefahr, dass er in Zukunft ohne Vorwarnung zubeißt
Hundeerziehung:
- Hunde lernen durch eine Kombination aus Beobachtung, Assoziation und Erfahrungen
- Voraussetzung: stabile, faire und auf Vertrauen basierende Mensch-Hund-Beziehung, in der der Mensch die Bedürfnisse des Hundes lesen und interpretieren kann (Körpersprache!) und dem Hund Unterstützung und Sicherheit bietet
- Bindungsstärkend: positiver Körperkontakt, Belohnung, gemeinsame positive Erfahrungen und Erlebnisse
- Wichtig ist die Belohung nach erfolgreicher Übung anstatt das Leckerli als Bestechung zur Durchführung der Übung zu benutzen
- Detaillierter Ratgeber zum Hundetraining: https://www.vier-pfoten.de/unseregeschichten/ratgeber-hund/grundlagen-der-hundeerziehung
- Training verschiedener Situationen:
- Gehen an der Leine:
- für Hunde kann es sehr frustierend sein, sich ständig an die (langsame) Geschwindigkeit des Menschen anpassen zu müssen > beim Training der Leinenführigkeit den Hund zwischendurch auch schnüffeln und an der langen Leine laufen lassen
- verschiedene Leinenlängen ausprobieren, Hund auf verschiedenen Seiten laufen lassen (recht und links vom eigenen Körper)
- Hund sollte sich am Menschen orientieren nicht umgekehrt, sodass Mensch Richtung vorgeben kann
- angeleinte Hunde können weder ausweichen noch artspezifisch kommunizieren > bei Begegung mit anderem Hund daher eigenen Hund auf die abgewandte Seite nehmen und in leichtem Bogen um den fremden Hund weitergehen > signalisiert, dass keine Konfrontation erwünscht ist
- Rückruf:
- häufiger Fehler: Rückruf wird nur in Situationen durchgeführt/trainiert, die für Hund mit Negativem verbunden sind, d.h. der Hund wird nach Ankunft bei Menschen entweder festgehalten oder angeleint und in eine andere Richtung gedrängt als die, die für ihn gerade spannend wäre
- besser: Rückruf in verschiedenen Situationen auch „grundlos“ trainieren und Hund nach Belohnung wieder weiterlaufen lassen
- Schleppleine eignet sich gut zum Training
- Tierarzttraining:
- für einen möglichst stressfreien Tierarztbesuch ist es wichtig das Tierarzttraining so früh wie möglich zu beginnen und immer wieder zu üben
- Videoreihe: https://www.youtube.com/playlist?list=PLpucuDRN38KXIUbZZchq369xk9_IcR7iO
- Gehen an der Leine:
Hunde & Kinder:
- Hund am besten schon während der Schwangerschaft an Veränderungen gewöhnen (wenn er bspw. nach der Geburt in einem anderen Raum schlafen soll), damit die Veränderung nicht mit dem Baby in Verbindung gebracht wird
- Hund muss von Anfang verstehen, dass er das Kind weder beschützen noch erziehen muss
- Freiräume bewusst für den Hund nutzen, damit er sich mit der Ankunft des neuen Familienmitglieds nicht vernachlässigt fühlt
- bei der Hund-Kind-Interaktion auf Körpersprache des Hundes achten und Interaktion stoppen, wenn es dem Hund zu viel wird (Hund beginnt bspw. zu gähnen, zu hecheln oder leckt sich mit Zunge über das Maul)

